Die Stiftung Entschädigungsfonds für Asbestopfer EFA verzeichnet im dritten Jahr ihres Bestehens die bisher höchste Anzahl an eingegangenen Gesuchen. Ebenso hat die Anzahl ausbezahlter Entschädigungen 2019 einen Höchststand erreicht: Im vergangenen Jahr wurden 88 Gesuche bei der Stiftung registriert, daraus resultierten 52 Entschädigungen im Umfang von 4,77 Mio. Franken. 2019 sind 11,5 Mio. Spendenfranken eingegangen, seit ihrer Gründung insgesamt 24 Mio. Franken. Eine Finanzierung durch betroffene Wirtschafts- und Industriezweige wird sich aufgrund der Corona-Krise künftig nicht einfacher gestalten.

Die Stiftung EFA setzt sich dafür ein, dass Mesotheliom-Erkrankte zu Lebzeiten eine faire und schnelle Entschädigung erhalten. 2019 verzeichnete das Service-Center Gesuche die bisher höchste Anzahl an eingegangenen Anträgen auf Entschädigung von Betroffenen oder Angehörigen von Menschen mit einer Mesotheliom-Erkrankung seit der Gründung der Stiftung im Jahr 2017. Von den total 218 Gesuchen in den Jahren 2017 bis 2019 entfallen 88 auf das letzte Jahr. Nach eingehender Prüfung wurden im vergangenen Jahr 52 Entschädigungen ausbezahlt. Auch dies entspricht der höchsten Anzahl entrichteter Entschädigungen in den letzten drei Jahren. Die durchschnittliche Entschädigung für Anspruchsberechtigte, deren gesundheitliche Schädigung nicht als Berufskrankheit nach UVG anerkannt ist, betrug 146’000 Franken. Der durchschnittliche Entschädigungsbetrag für eine als Berufskrankheit nach UVG anerkannte Erkrankung an einem Mesotheliom war 51’000 Franken. Insgesamt hat die Stiftung 2019 4,77 Mio. Franken an Entschädigungen ausbezahlt. In den nächsten Jahren erwartet sie eine Steigerung der jährlichen Entschädigungssumme auf bis zu 7 Mio. Franken.

Finanzierung aufgrund Corona-Krise kaum einforderbar
Die ursprünglich von den Teilnehmenden des Runden Tisches verabschiedete Vision, wonach die betroffenen Wirtschafts- und Industriezweige den Entschädigungsfonds mit bis zu 100 Mio. Franken äufnen, konnte bis zum heutigen Zeitpunkt nicht verwirklicht werden. 2019 hat die Stiftung zwar 11,48 Mio. Franken an Spendengeldern erhalten, insbesondere vom Verband öffentlicher Verkehr und vom Schweizerischen Versicherungsverband. Aufgrund des mit der Corona-Krise einhergehenden ökonomischen Einbruchs wird es für die Stiftung in naher Zukunft aber nicht einfacher, die dringend benötigten Spenden zu generieren. Stiftungspräsident Urs Berger verdeutlicht unmissverständlich: «Die gesellschaftliche Verantwortung von Wirtschaft und Industrie wegen den unerwünschten Folgen des technischen Fortschritts ist nach wie vor unbestritten. In erster Linie liegt es an den betroffenen Branchen, die Aktivitäten der Stiftung verstärkt zu unterstützen. Wir setzen weiterhin alles daran, sie von ihrer diesbezüglichen Verpflichtung zu überzeugen und weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.» Kann die Stiftung keinen markant höheren Geldzufluss generieren, werden die vorhandenen Mittel voraussichtlich im 4. Quartal 2021 aufgebraucht sein.

30 Jahre Asbestverbot in der Schweiz
Als eines der ersten Länder weltweit hat die Schweiz am 1. März 1990 Asbest verboten. Das Asbestverbot ist ein Meilenstein in der Bewältigung der negativen Auswirkungen der einstigen «Wunderfaser». Trotz des Verbots bleibt die Problematik aktuell. Erst spät wurde erkannt, dass Menschen beim Umgang mit asbesthaltigen Materialien Schaden nehmen können. Bei der Verarbeitung entstehen feinste Fasern, die bereits in geringer Konzentration das Risiko eines malignen Mesothelioms, eines bösartigen Tumors des Brust- oder Bauchfells, erhöhen. Eine Mesotheliom-Erkrankung verläuft oft ähnlich: Nachdem die Betroffenen die Faser aufgenommen haben, meist über die Lunge, vergehen Jahrzehnte, bis die Krankheit ausbricht. Umso schneller kommt der Tod, im Schnitt nach einem bis zwei Jahren. Noch immer ist in älteren Häusern Asbest verbaut. Bisher erkrankten jährlich rund 120 Personen an einem Mesotheliom. Asbest hat schätzungsweise über 2000 Menschen in der Schweiz das Leben gekostet. Bis 2040 prognostiziert die Suva weitere 3900 Todesfälle, was einem Anstieg auf 170 Fälle pro Jahr entspricht. Stark betroffen sind Arbeitnehmende aus dem Baugewerbe, aber auch Angehörige, die durch den Kontakt mit kontaminierten Kleidern erkrankt sind.

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